Mehr als nur Asanas auf der Matte
- Diana Petersen
- 8. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Warum Yoga und Ernährung untrennbar zusammen gehören
Ich werde ab und zu gefragt: „Warum bietest du eigentlich Yoga und Ernährungsberatung in Kombination an?“ Wenn wir ganz ehrlich sind, denken viele bei diesem Duo sofort an eines:
Sport und Diät.
Vielleicht hast auch du im ersten Moment geglaubt, dass ich Yoga als reines Bewegungsangebot sehe und Frauen in erster Linie dabei helfen möchte, schlanker zu werden. Versteh mich nicht falsch – ich liebe Fitness-Workouts! Meine Yogastunden sind mal wunderbar sanft, mal richtig herausfordernd, und ich finde genau diese körperliche Erfahrung wunderschön.
Aber der reine Fokus auf die Figur oder das Abnehmen ist nicht mein Hauptgedanke dabei. Wir verwechseln Yoga heutzutage einfach oft mit einem reinen Workout. Dass Themen wie Meditation oder Atemübungen eng mit Yoga verknüpft sind, können sich die meisten noch gut vorstellen. Aber unsere alltägliche Ernährung?
Bevor ich dir zeige, warum Yoga und Ernährung auf so vielen Ebenen perfekt zusammenpassen, möchte ich mich kurz vorstellen. So weißt du, wer hinter diesem Blog steckt und warum mir dieses Thema so sehr am Herzen liegt.
Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Diana Petersen. Mutter von drei Kindern, Yogalehrerin im Bereich Prävention in meinem Studio in Halstenbek bei Hamburg und Ernährungsberaterin. Als Frau über 40 weiß ich aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd es sein kann, Gesundheit, Familie, Beruf und die eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.
In meiner täglichen Arbeit begleite ich Frauen dabei, wieder mehr auf sich selbst zu achten und ihre Gesundheit nachhaltig zu stärken. Dabei stehen für mich nicht kurzfristige Lösungen im Mittelpunkt, sondern alltagstaugliche Veränderungen, die langfristig funktionieren.
Besonders am Herzen liegen mir Themen wie Darmgesundheit, Stoffwechsel, hormonelle Balance, emotionales Essen und ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper. Ich möchte dir zeigen, wie Yoga, Ernährung und kleine Veränderungen im Alltag dazu beitragen können, dich wieder wohler in deinem Körper zu fühlen.
Yogastile vs. Yogawege – Ein wichtiger Unterschied
Wenn wir heute von Yoga sprechen, denken wir oft sofort an Begriffe wie Yin Yoga, Hot Yoga, Vinyasa oder Ashtanga. Das sind allerdings Yogastile. Viele dieser Stile wurden in der neueren Zeit von großen Yogameistern geprägt. Interessanterweise waren das fast ausschließlich Männer, die diesen Schulen ihren Namen oder ihre spezielle körperliche Ausrichtung gaben.
(Das ist übrigens ein ganz eigenes, spannendes Thema: Warum wir die Asana-Praxis eigentlich noch viel mehr an den weiblichen Körper anpassen sollten – aber dazu ein andermal mehr!)

Die eigentliche Basis bilden jedoch die traditionellen Yogawege. Der von uns am meisten praktizierte Yogaweg ist der Hatha Yoga – selbst dann, wenn auf dem Kursplan Yin Yoga, Hot Yoga, Vinyasa oder Ashtanga steht. Im Kern üben wir fast immer Hatha Yoga. Anders als bei den unzähligen modernen Fitnessgeprägten Stilen gibt es traditionell nur sechs grundlegende Yogawege, die verschiedene Ansätze zur inneren Freiheit beschreiben:
Hatha Yoga - Der Weg über den Körper
Raja Yoga - Der Weg der Geisteskontrolle
Karma Yoga - Der Weg des selbstlosen Handelns
Bhakti Yoga - Der Weg der Hingabe
Jnana Yoga - Der Weg des Wissens
Kundalini Yoga - Der Weg der Energie
Die 5 Säulen des Hatha Yoga
Um die Frage zu beantworten, was unser Essen mit Yoga zu tun hat, schauen wir uns Hatha Yoga genauer an. Das ist übrigens auch genau der Yogaweg, den wir gemeinsam gehen, wenn wir zusammen auf der Matte üben. Er ist der körperliche Weg und genau der Weg, den die meisten von uns praktizieren (Yoga ist also weit mehr als nur Bewegung, darf aber eben auch Bewegung sein). Hatha Yoga besteht traditionell aus fünf wichtigen Säulen, die alle wie Zahnräder ineinandergreifen:
Körperhaltungen (Asana): Sie halten den Körper stark, flexibel und gesund.
Atemübungen (Pranayama): Sie verbinden Körper und Geist, lehren uns, den Atem bewusst zu lenken, und versorgen uns mit frischer Lebensenergie.
Ernährung: Sie ist der Treibstoff für unseren Körper und beeinflusst direkt unseren Geist.
Entspannung (Savasana): Sie hilft dem Körper zu regenerieren und Stress abzubauen.
Meditation: Sie bringt Fokus, Klarheit und tiefen inneren Frieden.

Die Körperhaltungen auf der Matte sind also nur ein Fünftel der gesamten Praxis! Wer Hatha Yoga ganzheitlich verstehen möchte, setzt sich früher oder später mit all diesen Säulen auseinander.
Was genau ist „yogische Ernährung“?
Im Yoga geht man davon aus, dass das, was wir essen, nicht nur unseren physischen Körper formt, sondern auch direkten Einfluss auf unseren Geist und unsere Emotionen hat. Ziel der yogischen Ernährung ist es, den Körper gesund zu halten und den Geist so klar und ruhig zu machen, dass Meditation überhaupt erst möglich wird.
Das Herzstück dieser Philosophie bilden die sogenannten drei Gunas. Die alten Schriften teilen alles in der Natur – und damit auch unser Essen – in drei Eigenschaften ein:
Sattva (Die reine Nahrung): Die ideale Yogi-Nahrung. Frisch, leicht verdaulich, nahrhaft. Macht den Körper leicht und den Geist friedlich (z. B. frisches Obst und Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte).
Rajas (Die anregende Nahrung): Wühlt den Geist auf und macht unruhig oder hitzig (z. B. Kaffee, schwarzer Tee, scharfe Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch).
Tamas (Die träge Nahrung): Macht faul, schwerfällig und antriebslos (z. B. viel Fleisch, Alkohol, Fast Food, stark verarbeitetes Essen).
Zudem gibt es das oberste Gebot im Yoga: Ahimsa (Gewaltlosigkeit). Wir sollen anderen und uns selbst keinen Schaden zufügen, weshalb die traditionelle Ernährung vegetarisch oder vegan ist.
Meine persönliche Story: Als die Rebellin in mir erwachte
Während meiner Yogalehrer-Ausbildung wollte ich es ganz genau nehmen. Ich bin jemand, der gerne testet: Was macht es mit mir, wenn ich wirklich auf alles verzichte, was nicht streng yogisch ist? Aber ziemlich schnell meldete sich die Rebellin in mir.
Ich verstand das yogische System und den Verzicht auf Tierleid (Ahimsa) absolut. In den alten indischen Schriften gilt die Milch der Kuh zwar als etwas Heiliges, aber wenn wir dieses Konzept auf unsere heutige Zeit und die moderne Massentierhaltung übertragen, sieht die Sache anders aus. Der Verzicht auf tierische Milch ist heute oft die logische Konsequenz daraus. Da ich Milchprodukte ohnehin kaum vertrage, fiel mir das leicht.
Aber dann kamen Lebensmittel wie Knoblauch, Zwiebeln und mein geliebter Kaffee ins Spiel. Im strengen yogischen Leben gilt Kaffee fast schon wie Alkohol – er pusht das System extrem auf (Rajas). Zwiebeln und Knoblauch gelten ebenfalls als unruhig. Für mich war es unglaublich schwierig, auf diese guten Naturprodukte komplett zu verzichten. Natürlich esse ich keinen Knoblauch, wenn ich abends tanzen gehe (ich möchte meinem Tanzpartner schließlich nicht unangenehm auffallen!) und auch nicht, bevor ich unterrichte. Das ist für mich einfach eine Frage der Rücksichtnahme. Aber komplett aus dem Speiseplan streichen? Nein.
Und Kaffee? Ich bin absolute Kaffeeliebhaberin! Aus heutiger medizinischer Sicht wissen wir, dass Kaffee wunderbare Eigenschaften für unseren Stoffwechsel hat, unter anderem durch die wertvollen Bitterstoffe.
Auch beim Thema Fleisch plädiere ich für Machbarkeit im Alltag. Ich selbst esse kein Fleisch (dafür Fisch und Eier von glücklichen Hühnern aus meinem eigenen Garten), aber meine Familie isst ganz normal Fleisch. Ein bewusster Mittelweg ist hier oft der realistischere Schritt. Wenn du tierische Produkte komplett streichst und dadurch in eine Mangelernährung rutschst, fügst du dir selbst Schaden zu – das ist ebenfalls nicht im Sinne von Ahimsa.
Altes Wissen in neuem Glanz
Diese Erfahrungen haben mir eine wichtige Erkenntnis gebracht: Wir müssen immer hinterfragen, in welcher Zeit und unter welchen Voraussetzungen eine Philosophie entstanden ist, um sie dann sinnvoll in unsere moderne Welt zu übersetzen. Es geht nicht darum, ein altes System stur zu kopieren. Es geht darum, altes Wissen mit neuem medizinischen Verständnis in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
Wenn man sich das yogische Ernährungskonzept modern übersetzt anschaut, ist es der klassischen, ausgewogenen und gesunden Ernährung sehr ähnlich. Genau aus diesem Grund biete ich Ernährungsberatung an. Für mich ist es kein isolierter Bereich, sondern ein wesentlicher, wunderschöner Teil eines ganzheitlichen yogischen Lebensstils.
Würde mein Lebensstil in einem traditionellen indischen Ashram als streng „yogisch“ durchgehen? Wahrscheinlich nicht! Aber lebe ich nach yogischen Werten? Für mich ist die Antwort ein klares Ja.
Wenn du gut, bewusst und nahrhaft isst, fühlst du dich auf der Yogamatte leichter, dein Atem fließt freier und dein Kopf kommt in der Endentspannung viel schneller zur Ruhe. Die richtige Ernährung unterstützt deine Praxis auf der Matte und dein Wohlbefinden im Alltag enorm.
Namasté.




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